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Wert des Lebens
Gemeinsam nachdenken über den Wert des Lebens
Was macht ein Leben lebenswert? Wie gehen wir mit Schwächeren um? Was bewirken aktuelle Trends zur Selbstoptimierung und Perfektionierung in unserer Gesellschaft? Und wie beeinflussen sie unser Bild davon, wer als „nützlich“ gilt? Ein Weiterbildungstag lädt dazu ein, sich intensiv mit diesen grundlegenden ethischen Fragen auseinanderzusetzen.
80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist es nach wie vor notwendig, neue Antworten auf alte Fragestellungen zu finden: Welches Leben ist lebenswert?
„Was geschehen ist, kann jederzeit wieder geschehen“, warnt Martin Kranzl-Greinecker. Als Redaktionsleiter des Fachverlags UNSERE KINDER und Vorstandsmitglied des Vereins Schloss Hartheim bringt er seine fachliche Expertise in die Veranstaltung ein.
„Die zentralen Themen bleiben bestehen, auch wenn sie heute in anderer Form auftauchen – etwa im Zusammenhang mit assistiertem Suizid, pränataler Diagnostik oder der Triage-Problematik während der Corona-Pandemie“, erklärt Kranzl-Greinecker.
Der Weiterbildungstag bietet eine Auseinandersetzung mit dem historischen Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim sowie eine begleitete Führung durch die Ausstellung „Wert des Lebens“. Den Abschluss bildet eine künstlerische Reflexion mit Werken von Menschen mit Beeinträchtigungen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der gesellschaftlichen Tendenz zur Selbstperfektionierung. „Die Idee der Selbstoptimierung ist tief verwurzelt und trägt oft eine gefährliche Fantasie vom ‚perfekten Menschen‘ in sich“, so Kranzl-Greinecker. „Wir dürfen nicht vergessen, dass Debatten über Euthanasie und Eugenik nicht erst durch den Nationalsozialismus aufgekommen sind. Gerade in politischen Zeiten wie den heutigen sind wir gefährdet wegzuleugnen, dass diese Grundpotentiale im Menschen schlummern.“
Deshalb brauche es eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit unseren Werten und darüber, wie wir mit Themen wie Inklusion und Menschenwürde umgehen – im Bewusstsein dessen, was einst geschah. Besonders betroffen machen Kranzl-Greinecker die Ausstellungsabschnitte zur Pandemie: „Am Ende berühren mich die Fragen aus der Corona-Zeit besonders – etwa bei der Triage. Wie ergeht es jenen, die solche Entscheidungen treffen müssen? Denn in solchen Momenten steht meine eigene Menschlichkeit auf dem Prüfstand.“
Die Veranstaltung richtet sich an alle Caritas-Mitarbeiter*innen und ist ausdrücklich auch für Freiwillige offen. Alle, die sich für ethische Grundfragen und gesellschaftliche Verantwortung interessieren, sind herzlich eingeladen, teilzunehmen.
Wann? Freitag, 17. Oktober, 9 - 15 Uhr
Wo? Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim
Anmeldeschluss: 10. Oktober 2025
Anmeldung über erwachsenenbildung@caritas-ooe.at
Programm
- Besichtigung des Gedenkortes Schloss Hartheim
- Indivduelle Kunst von Menschen mit Beeinträchtigung,
- Referentin Mag.a Dr.in Maria Reitter-Kollmann
- Gemeinsame Abschlussreflexion & spiritueller Impuls
- Für Verpflegung wird gesorgt
Begleitung
- Mag. Martin Kranzl-Greinecker (Chefredakteur „Unsere Kinder" sowie Vorstandsmitglied im Verein Schloss Hartheim)
- Mag.a Dr.in Maria Reitter-Kollmann (Kommunikation/Kunst Caritas OÖ)
- Barbara Lauss-Ditachmair (Freiwilligenmanagement Caritas OO)
- Dr. Stefan Schlager (Seelsorger Caritas OÖ)
Kosten: Für freiwillige Mitarbeiter*innen der Caritas Oberösterreich ist die Veranstaltung kostenlos und mit max. 25 Teilnehmer*innen begrenzt.
Der Weiterbildungstag in Schloss Hartheim erörtert die Frage, welches Leben lebenswert ist und beschäftigt sich mit dem gesellschaftlichen Optimierungsdrang des Menschen.
Im Renaissance-Schloss Hartheim in Alkoven war von 1940 - 1944 eine NS-Euthanasieanstalt untergebracht, in der nahezu 30.000 körperlich und geistig beeinträchtigte, psychisch kranke Menschen ermordet wurden. 1995 wurde der Verein Schloss Hartheim gegründet, dessen Ziel es war, in Schloss Hartheim einen angemessenen Ort der Erinnerung, des Gedenkens und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu schaffen. 2003 wurde mit der Gedenkstätte der „Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim“ eröffnet.
Die Ausstellung „Werte des Lebens“ zeigt die Entwicklung der Situation beeinträchtigter Menschen vom Zeitalter der Industrialisierung bis zur Gegenwart. Der Bogen spannt sich von der Aussonderung der Menschen nach ökonomisch Brauchbaren und Unbrauchbaren am Beginn der Industriegesellschaft bis zur aktuellen Forderung nach gesellschaftlicher Gleichstellung beeinträchtigter Menschen heute. Die Ermordung beeinträchtigter Menschen als „lebensunwertes Leben“ im Nationalsozialismus bildet in dieser Entwicklung das negative Extrem und steht als mahnendes Beispiel dafür, wo Ausgrenzung enden kann.
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